Goldenes mittelalter

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In der fälschlicherweise Seneca zugeschriebenen Tragödie Octavia präsentiert ein unbekannter römischer Dichter des 1.

Jahrhunderts eine Version des Weltaltermythos, die den Einfluss Arats und vor allem Ovids erkennen lässt und zugleich von stoischen Vorstellungen ausgeht.

Der Philosoph und Staatsmann Seneca tritt in dem Stück auf und hält einen Monolog, in dem er auf den kosmischen Kreislauf von Weltentstehungen und Weltuntergängen eingeht.

Den idealen Urzustand und die seitherigen Verfallsperioden stellt er ohne Rückgriff auf die gängigen Metallbezeichnungen dar. Mit jedem Weltuntergang wird die degenerierte Menschheit vernichtet, mit jeder Weltschöpfung entsteht eine neue Menschheit.

Waffen, ummauerte Städte, Kriege und Privateigentum sind noch unbekannt. Im zweiten Zeitalter setzt der Niedergang ein. Im ersten Buch der Sibyllinischen Orakel wird eine Weltalterlehre dargestellt, in der biblische Vorstellungen dominieren, aber auch hesiodische Motive eine wichtige Rolle spielen.

Beschrieben wird eine Abfolge von Geschlechtern, die mit Adam und Eva beginnt. Die Menschen des ersten Geschlechts führten zunächst wie bei Hesiod ein sorgenfreies Leben, das mit einem Tod endete, der dem Einschlafen glich.

Sie waren langlebig und von Gott geliebt. Später verfielen sie jedoch der Sünde und ihre Sitten wurden verbrecherisch. Alle vorsintflutlichen Geschlechter gingen wegen ihrer Sündhaftigkeit zugrunde, worauf Gott jeweils ein neues Geschlecht schuf.

Wie bei Hesiod altern in der sibyllinischen Version die Menschen dieses Weltalters nicht und sind immer gesund, für ihre Nahrung sorgt die Erde von sich aus und beim Sterben schlafen sie friedlich ein.

Jahrhundert befasst sich der Kirchenvater Laktanz eingehend mit dem Mythos vom Goldenen Zeitalter und deutet ihn christlich um.

Den Darstellungen der paganen Dichter billigt er einen gewissen Wahrheitsgehalt auch im Rahmen der christlichen Lehre von der Heilsgeschichte zu.

Er meint, die Dichter hätten richtig erkannt, dass es einst eine Epoche gegeben habe, in der Gerechtigkeit herrschte und nur der eine wahre Gott verehrt wurde.

Damals seien keine Kriege oder sonstigen gewalttätigen Auseinandersetzungen vorgekommen, Waffen seien unbekannt und die Menschen frei von Arglist und Habsucht gewesen.

Der Sturz Saturns, der von seinem eigenen Sohn Jupiter entthront wurde, setzte dem Goldenen Zeitalter ein Ende und führte alle Übel der folgenden Zeiten herbei, denn nun erlosch der Kult des wahren Gottes.

Mit dem Untergang der rechten Gottesverehrung war zwangsläufig das Verschwinden der Gerechtigkeit und der Solidarität und das Aufkommen der Laster und Verbrechen verbunden.

In Übereinstimmung mit der paganen Überlieferung glaubt Laktanz, dass sich die üblen Verhältnisse seiner Gegenwart künftig noch weiter verschlimmern werden.

Proklos meint, Hesiod wolle mit der Schilderung eines goldenen Geschlechts, das ein Leben wie die Götter führt, auf das Göttliche im Menschen hinweisen.

Jahrhundert schildert Boethius in seiner Consolatio philosophiae das Goldene Zeitalter als glückliche Zeit der Genügsamkeit und des Friedens, wobei er dem Vorbild der verbreiteten Darstellungen römischer Dichter folgt.

Die Vorstellung, dass es der eigenen Generation vergönnt sei, den Anfang eines neuen Goldenen Zeitalters zu erleben, steht der traditionellen Erwartung weiterer Verschlimmerung entgegen.

Gemeint ist entweder mythisch eine Wiederkehr des ursprünglichen Goldenen Zeitalters nach Beendigung eines Kreislaufs oder metaphorisch eine glückliche Friedenszeit.

Die optimistische Annahme, der Kulturverfall habe seinen Tiefstpunkt überschritten, widerspricht dem Kulturpessimismus der herkömmlichen Ausprägung des Weltaltermythos.

Die Idee der Wiederkehr paradiesischer Verhältnisse in der Gegenwart taucht in der Antike erstmals bei Vergil auf, in der berühmten vierten Ekloge.

Dort verkündet der Dichter den Anbruch einer neuen, mit der Geburt eines mysteriösen Knaben beginnenden Zeit, welche die bisherige eiserne Epoche ablöst.

Die Jungfrau Gerechtigkeitsgöttin kehrt zurück, Saturn übernimmt wieder die Herrschaft. Die neue Ära soll typische Merkmale des mythischen Goldenen Zeitalters tragen: Diese Einzelheiten lassen erkennen, dass das nicht metaphorisch, sondern konkret gemeint war.

Die kaiserliche Propaganda griff das Motiv auf. Laktanz nennt die gängigen Merkmale: Die unbebaute Erde bringt überreiche Frucht hervor, die Raubtiere werden friedfertig, Ackerbau, Seefahrt und Fernhandel werden abgeschafft, die Menschen führen ein sehr ruhiges und üppiges Leben.

Dafür beruft sich Laktanz auf Vergils vierte Ekloge, die er zitiert, sowie auf die Sibyllenorakel. In Claudians Gedicht In Rufinum prophezeit die Gerechtigkeitsgöttin Justitia, dass unter Honorius die paradiesischen Verhältnisse der mythischen Urzeit ohne Ackerbau und privaten Grundbesitz wiederkehren werden.

Wäre dieser Herrscher nicht schon nach wenigen Regierungsjahren ermordet worden, so hätte er die römische Weltherrschaft und damit den Weltfrieden verwirklicht.

Dann wäre das Militär ebenso wie die Steuererhebung zur Deckung der Rüstungskosten überflüssig geworden.

Die dadurch freiwerdenden personellen und materiellen Ressourcen hätten für produktive Tätigkeiten Landwirtschaft, Bildung und Wissenschaft, Seefahrt eingesetzt werden können.

Probus selbst habe die Abschaffung von Krieg und Kriegsdienst angekündigt; deswegen sei er von meuternden Soldaten umgebracht worden.

Mit der positiven Wertung von Ackerbau und Seefahrt distanziert sich der unbekannte spätantike Geschichtsschreiber, der diesen Text verfasste, offenbar bewusst vom herkömmlichen Ideal des arbeitsfreien Goldenen Zeitalters.

Andererseits appelliert er an die mit dem Zeitaltermythos traditionell verbundene pazifistische Sehnsucht, um dem Leser seine fundamentale Kritik am zeitgenössischen Militärwesen zu vermitteln.

Den — regierenden Avitus , einen der letzten Kaiser des untergehenden Weströmischen Reichs , rühmte der Dichter Sidonius Apollinaris in einem panegyrischen Gedicht, worin er behauptete, mit Avitus beginne ein neues Goldenes Zeitalter.

Der antike Zeitaltermythos ist ein Musterbeispiel des deszendenten Typus. Er repräsentiert eine Betrachtung und Wertung der Kulturgeschichte, die zu den verbreitetsten Ideen der Menschheit gehört.

Mit ihm konkurrierten aszendente Gegenkonzepte sowie Modelle, die Elemente beider Sichtweisen kombinieren. Der Mythos vom anfänglichen Goldenen Zeitalter zeichnet das Bild einer heilen und normativen Vergangenheit, von der die Folgezeit sich durch Dekadenz schrittweise entfernt hat.

Die Gegenposition war die antike Fortschrittsidee. Sie ging von einem tierähnlichen Urzustand der Menschheit aus; die dadurch bedingte Not zwang zur Gemeinschaftsbildung und zur Entwicklung technischer Fertigkeiten, womit ein segensreicher zivilisatorischer Aufstieg eingeleitet wurde.

Die Menschen erfanden Künste und Techniken, oder nach anderer Ansicht wurden sie von göttlicher Seite darüber belehrt.

Solche Auffassungen vom Menschen als einem Mängelwesen, das durch seine Lernfähigkeit einem primitiven Urzustand entrann und zur Zivilisation aufstieg, vertraten u.

Xenophanes , Anaxagoras und Epikur. Mitunter sind in den Schilderungen der Philosophen und Dichter einzelne Elemente der aszendenten und der deszendenten Sichtweise kombiniert.

Manche Autoren bieten eine differenzierte Darstellung, wodurch die Ambivalenz sowohl des urtümlichen Naturzustands als auch der Zivilisation und ihrer Folgen ins Blickfeld kommt.

Eine detailliert ausgearbeitete differenzierte Kulturentstehungstheorie bietet der Dichter Lukrez. Er betont das Elend der Urmenschen, die wilden Tieren und dem Nahrungsmangel ausgeliefert waren und denen medizinische Versorgung fehlte.

Andererseits greift er aber auch Elemente der Zivilisationskritik des Weltaltermythos auf. Im Einklang mit der mythischen Überlieferung würdigt er den Umstand, dass es in der Urzeit keine Seefahrt gab, als Vorzug.

Vergil legt in seinen Georgica seine Sicht der Kulturgeschichte dar. Um den menschlichen Scharfsinn anzuregen, habe der Gott dem paradiesischen Dasein ein Ende gesetzt und die Naturverhältnisse verschlechtert.

Er habe Herausforderungen geschaffen, indem er Raub- und Gifttiere einführte und generell die menschlichen Lebensbedingungen gefahrvoll und mühselig gestaltete, damit die Not die Menschen erfinderisch mache.

Er drückt an einer Reihe von Stellen seine positive Einschätzung des zivilisatorischen Fortschritts aus. Dabei würdigt er neben dem Ackerbau besonders die erotische Liebe als kultivierenden Faktor und Entwicklungsimpuls in der Kulturgeschichte der Menschheit.

Die Verfeinerung der Sitten bejaht er nachdrücklich. Vergils Idealisierung des Landlebens der römischen Frühzeit lehnt er ab, die bäuerliche Lebensweise hält er für primitiv.

Seine Gegenwartskritik bezieht sich nur auf einzelne Aspekte wie Luxusstreben, Machtgier und militärische Gewalt.

An der fernen Vergangenheit schätzt er moralische Vorzüge, an der Gegenwart materielle Errungenschaften und die raffinierte Kultur, wobei die letzteren Aspekte für ihn gesamthaft stärker ins Gewicht fallen.

Die Natur stellte dem Menschen das zur Verfügung, was seinen wahren Bedürfnissen entspricht. Dieser Zustand änderte sich erst, als die Habsucht und die widernatürliche Begierde nach Überflüssigem aufkam und die Genussgier den Anreiz zu Erfindungen bot.

Trotz seiner Zivilisationskritik verurteilt jedoch Seneca nicht sämtliche technischen Erfindungen.

Er billigt einfachen technischen Neuerungen, die nicht zum Luxus geführt haben, eine Berechtigung zu. Dabei verselbständigte sich das Schlaraffenlandmotiv.

Nicht mehr Genügsamkeit, sondern naturgegebener Überfluss und daraus resultierend Luxus und Faulheit wurden nun mit der mythischen Urzeit assoziiert.

Nach seiner ironischen Schilderung weilte damals die personifizierte Keuschheit auf Erden, doch schon das Silberne Zeitalter brachte die ersten Ehebrecher hervor.

Einen Dieb brauchte man nicht zu fürchten, denn er hätte nur Kohl und Obst erbeuten können. Infolge der Untätigkeit trat ein Verfall ein, den Jupiter mit der Erschlaffung der Kräfte im Greisenalter gleichsetzt.

Er sorgte dafür, dass das Getreide nicht mehr auf unbebauten Äckern heranwuchs, sondern die Menschen ein sorgenvolles Leben führen und sich anstrengen mussten.

Vielmehr sah er, dass die schwerfälligen, antriebsschwachen Menschen eines Stachels bedurften, der sie der Lethargie entriss und zur Aktivität zwang.

Indem er ihnen Entbehrungen auferlegte, zwang er sie, ihre geistigen Fähigkeiten auszubilden und die verborgenen Naturgesetze zu entdecken.

Damit setzte Jupiter den Kulturfortschritt in Gang. Er wendet die Dekadenzkritik, die man an den nachsaturnischen Zeitaltern zu üben pflegte, gegen das Schlaraffenland der goldenen Zeit Saturns.

Nicht das letzte, sondern das erste Zeitalter ist bei ihm greisenhaft. In der Geschichtsforschung überwog noch bis in die zweite Hälfte des Die zutreffende Gegenmeinung, wonach es sich um einen Mythos ohne historischen Kern handelt, vertrat Ludwig Preller ; sie war damals noch eine Minderheitsposition.

Jahrhundert traten neue Gesichtspunkte in den Vordergrund, als die vergleichende Mythenforschung und Religionswissenschaft sich der Thematik anzunehmen begann und den orientalischen Ursprung der Sage aufdeckte.

Die nahöstlichen Überlieferungen folgen wie die griechischen dem Epochenschema nach Metallen von absteigender Qualität. Sie handeln aber nicht von einer gänzlich fiktiven, sagenhaften Vergangenheit, sondern von bekannten historischen Verhältnissen der Zeit seit dem 6.

Im biblischen Buch Daniel wird ein göttlich inspirierter Traum beschrieben, in dem eine Statue aus verschiedenen Metallen erscheint.

Der Rang der Metalle nimmt von oben nach unten ab: Der Kopf ist aus Gold, Brust und Arme sind silbern usw. Die Metalle symbolisieren vier aufeinander folgende Weltreiche, deren erstes und bedeutendstes, das goldene, das Neubabylonische Reich des Königs Nebukadnezar II.

In der goldenen Zeit herrscht die wahre Religion, die auch noch in den beiden folgenden Epochen dominiert. Erst im vierten und letzten Zeitalter Eisen erfolgt der Zusammenbruch der Moral, der ähnliche Folgen hat wie im griechischen Mythos.

Sie bietet eine ausführlichere Darstellung und erweitert die Anzahl der nach Metallen benannten Epochen auf sieben. Dieses Grundkonzept hat die Geschichtsauffassung sowohl der vedischen Religion und des Hinduismus als auch des Buddhismus und des Jainismus geprägt.

Über den Buddhismus haben sich Varianten des Zeitaltermodells nach China und in andere fernöstliche Länder verbreitet. Nach der indischen Weltzeitalterlehre ist die Welt einem ewigen kosmischen Kreislauf unterworfen, in dem vier Zeitalter Yugas einander ablösen.

Im Epos Mahabharata sind die Merkmale dieser idealen Epoche angeführt. Sie ähneln denen des antiken europäischen Mythos: Die Menschen brauchen sich nicht anzustrengen, denn ihre Wünsche werden mühelos erfüllt; Mangel, Krankheit, Verfall, Elend, Zwietracht, Neid, Hass und Heimtücke sind unbekannt; Handel wird nicht getrieben, Arbeit ist unnötig.

In den folgenden Zeitaltern kommt es zu einem fortschreitenden Rückgang der Fähigkeiten und Verfall der Religion und der Tugenden. Das letzte von ihnen, das schwarze Kali Yuga, bildet wie in der antiken Mythologie den schärfsten Gegensatz zur vollkommenen Anfangszeit: Hass und kriminelle Gewalttätigkeit setzen sich durch.

Jahrhunderts in altisländischer Sprache abgefasst wurde. Kapitel werden die Götter als gute Handwerker dargestellt.

Es wird erzählt, sie hätten verschiedene Materialien bearbeitet, neben Erz, Stein und Holz vor allem Gold, so dass sie ihr gesamtes Hausgerät und alle Einrichtungsgegenstände aus Gold hatten, und diese Epoche wird Goldzeitalter genannt, bis es verdorben wurde durch die Ankunft gewisser Frauen aus Jötunheim.

Sehr wahrscheinlich liegt ihm Ovids aetas aurea zugrunde. Somit ist der nordische Goldzeitalter-Begriff nicht eigenständigen Ursprungs, sondern aus einer antiken römischen Fassung des Goldzeitalter-Mythos übernommen.

Inhaltlich besteht jedoch keine Übereinstimmung zwischen der Erzählung der Gylfaginning und den nahöstlichen und antiken Versionen des Metallmythos.

Sowohl in Europa als auch im Nahen und Fernen Osten handelt es sich um eine mythische Geschichtsdeutung, die von mehreren aufeinander folgenden Weltzeitaltern bzw.

Weltreichen oder geschichtlichen Epochen ausgeht. Die Zeitalter sind von ihren jeweiligen Menschengattungen geprägt, die sich hinsichtlich ihres kulturellen und zivilisatorischen Niveaus unterscheiden.

Das erste und beste ist das Goldene Zeitalter bzw. Zeitalter des goldenen Geschlechts, dem in Indien das Krita Yuga entspricht. Darauf folgt das silberne Geschlecht bzw.

Schon das zweite Zeitalter bringt eine Verschlechterung, die sich später fortsetzt. Den Abschluss bildet das noch andauernde Eiserne Zeitalter, das weitaus schlechteste von allen, mit dem der tiefstmögliche Stand des Kulturverfalls erreicht wird.

Es handelt sich also um das Gegenteil der Fortschrittsidee. Die Zeitalterlehre ist der mythische Ausdruck einer kulturpessimistischen Geschichtsphilosophie , welche die historische Entwicklung in erster Linie als naturnotwendigen Verfallsprozess der Kultur oder Zivilisation auffasst.

Die indische Zeitalterlehre kommt in den Veden nicht vor. Sie weist ebenso wie die iranische und die jüdische Version Übereinstimmungen mit der babylonischen Kosmographie auf, was auf babylonische Herkunft deutet.

In jedem Zeitalter herrscht einer von vier Planetengöttern. Nach dem Weltuntergang am Ende des vierten, schlechtesten Zeitalters zu dem die Gegenwart des Mythenerzählers gehört erfolgt eine abrupte Rückkehr zu einem neuen Goldenen bzw.

Die vier Farben, die in der indischen Tradition für die vier Zeitalter stehen, haben dort die Rolle der Metalle übernommen.

Hesiods Version weist gegenüber dem Urmythos einige Abwandlungen auf. Insbesondere ist das Schema der ursprünglichen vier Metallzeitalter um ein fünftes Zeitalter erweitert, die Epoche der Heroen , die in der chronologischen Reihenfolge an vorletzter Stelle steht.

Die Heroenzeit bildet einen Fremdkörper im Schema, da sie als einzige keinen Metallnamen trägt und gegenüber dem vorherigen Zeitalter eine gewisse Verbesserung bringt.

Auch die Vernichtung und Neuerschaffung der Menschheit beim Epochenwechsel stellt eine Neuerung der von Hesiod überlieferten Variante dar.

Jean-Pierre Vernant hat eine strukturalistische Deutung vorgetragen, die vor allem in Frankreich eine lebhafte Debatte ausgelöst hat.

Seiner Hypothese zufolge spiegeln die unterschiedlichen Geschlechter Menschengattungen der chronologisch aufeinander folgenden mythischen Zeitalter eine soziale Schichtung der Gesellschaft.

Demnach entsprechen Hesiods goldenes und silbernes Geschlecht den Herrschern das goldene den guten Herrschern, das silberne den schlechten , das dritte und vierte Geschlecht sind als Kriegerstand zu deuten und das fünfte eiserne Geschlecht stellt die Güterproduzenten dar.

Diese Hypothese ist umstritten. Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit wurde der Zeitaltermythos insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Erwartung oder Verkündung eines neuen Goldenen Zeitalters rezipiert.

Man behauptete, eine solche Ära werde bald anbrechen oder habe bereits begonnen. Oft rühmte man auch rückblickend eine bereits abgeschlossene Epoche mit dieser Bezeichnung.

Daneben war — vor allem dank der schon im Mittelalter sehr breiten Vergil- und Ovidrezeption — auch der antike Mythos als solcher im Bewusstsein mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gebildeter präsent.

Ab der Karolingerzeit pflegte man zunächst Könige und Kaiser, später auch führende Persönlichkeiten der Kirche als Bringer einer goldenen Zeit zu feiern.

Dabei orientiert er sich an gängigen antiken Vorstellungen. Die Beschreibung der Idylle verbindet er mit einer Klage über die gegenwärtigen schlimmen Zeiten.

Er macht den Missetäter Jupiter für das Ende dieser erfreulichen Epoche verantwortlich und verweist auf die Erschaffung der Jahreszeiten, die an die Stelle des ewigen Frühlings traten, sowie auf das Auftreten von Raub- und Gifttieren, die Einführung des Privateigentums und die Entstehung der Armut.

Neben den üblichen Merkmalen der segensreichen Urzeit betont er zwei Aspekte, die ihm besonders wichtig sind: Als mit der Wahl des ersten Herrschers, eines gemeinen Kerls, das Königtum eingeführt wurde, was zur Entstehung des Adels führte, nahm das Verhängnis seinen Lauf, die heitere und friedliche Welt der Urmenschen war dem Untergang geweiht.

Die Schuld an dieser fatalen Entwicklung gibt Jean somit nicht nur dem übelwollenden Jupiter, sondern auch menschlicher Torheit.

Jahrhundert der Verfasser des Romans Renart le Contrefait aus, wobei er die Adelskritik noch verschärft. Er bringt die damalige Genügsamkeit mit dem christlichen Armuts- und Bescheidenheitsideal in Verbindung.

In seiner Schilderung des irdischen Paradieses, der obersten Stufe des Läuterungsbergs, verbindet er Elemente des locus amoenus , des antiken Elysion und des biblischen Mythos vom Garten Eden und stellt fest, dieser Ort sei es, den die antiken Dichter erahnt und eigentlich gemeint hätten, als sie das Leben im Goldenen Zeitalter rühmten.

Jahrhundert gibt der Humanist Petrarca die Überlieferung wieder, wonach die Einführung des Ackerbaus auf einen weisen König namens Saturn zurückzuführen ist.

Nach seinem Tod sei dieser Herrscher vom dankbaren Volk als Gott verehrt worden. Boccaccio hält Ceres für eine menschliche Königin, welche die Landwirtschaft einführte und der zuvor praktizierten Sammelwirtschaft des Goldenen Zeitalters ein Ende setzte.

Er zählt Vorzüge und Schattenseiten beider Wirtschaftsformen auf. Dabei kommt er zum Ergebnis, dass die Verhältnisse vor der Einführung des Ackerbaus barbarisch und unzivilisiert gewesen seien.

Ein Renaissance-Humanist, der sich intensiv mit der antiken Zeitalterlehre auseinandersetzte, war Guillaume Postel. Er identifizierte das Goldene Zeitalter mit der Epoche, die auf die Sintflut folgte.

Er meinte, die Lebensweise der damaligen Menschen sei tierisch oder sogar noch unterhalb des Niveaus vieler Tierarten gewesen.

Erst die Erfindungen, die Schritt für Schritt aus diesem Zustand herausführten, hätten den Menschen über das tierische Dasein emporgehoben.

Bei den gelehrten Renaissance-Humanisten war die Vorstellung verbreitet, ihre eigene Zeit sei ein neues Goldenes Zeitalter oder ein solches sei zumindest am Anbrechen.

Schon Petrarca sah in dem politischen Reformer Cola di Rienzo , mit dem er befreundet war und den er bewunderte, einen Erneuerer der im Goldenen Zeitalter herrschenden Verhältnisse.

Sie hatten dabei nicht das antike Ideal eines naiven Daseins kulturloser Naturmenschen im Sinn, sondern dachten im Gegenteil an die Früchte ihrer Bildungsbestrebungen oder auch an ruhmreiche politische Machtentfaltung.

Auch Marsilio Ficino war der Überzeugung, in einem Goldenen Zeitalter zu leben, was er mit den literarischen und künstlerischen Leistungen der Humanisten begründete.

Aegidius von Viterbo , ein einflussreicher Humanist und Theologe, entwickelte den Gedanken eines christlichen Goldenen Zeitalters.

Dabei stützte er sich unter anderem auf Ideen von Vergil und Laktanz. Dichter im Umkreis des in Florenz im späten Der Dichter Jacopo Sannazaro — fügte in seinen Schäferroman Arcadia Eklogen ein, die für die neuzeitliche Hirtenpoesie vorbildlich wurden.

Damals seien die Götter selbst Hirten gewesen, sie hätten die Schafe auf die Weide getrieben und Hirtenlieder gesungen.

Die nostalgische Schilderung der damaligen Verhältnisse, verbunden mit einer Klage über die Gegenwart, bietet die vertrauten antiken Motive, darunter den ewigen Frühling, und als zusätzliches Element die Liebesfreiheit: Es habe keine Eifersucht gegeben.

Dieser erotische Aspekt wird zwar nur in sechs Versen behandelt, war aber für den Dichter von zentraler Bedeutung.

In der Antike gehörte er noch nicht zu den gängigen Merkmalen des Goldenen Zeitalters. Noch weit stärker hebt Torquato Tasso in seinem uraufgeführten Schäferstück Aminta den Gedanken der Liebesfreiheit hervor.

Schön sei das Goldene Zeitalter gewesen, doch nicht wegen seiner traditionell gepriesenen Vorzüge ewiger Frühling, Überfluss an Nahrung, Gewaltlosigkeit und Unbesorgtheit usw.

Damit meint Tasso, dass noch keine restriktive Sexualmoral den Liebesgenuss gehemmt habe. Giovanni Battista Guarini veröffentlichte die Tragikomödie Il pastor fido , in der er einen Gegenentwurf zu Tassos Ideal präsentierte.

In diesem Stück herrschen bei den Menschen des Goldenen Zeitalters Sitten, die christlichen Moralvorstellungen entsprechen.

Jahrhundert hatte Angelo Poliziano die Meinung vertreten, im Goldenen Zeitalter sei die Liebesleidenschaft noch unbekannt gewesen.

Eine von der gängigen völlig abweichende Auffassung vertrat der in neulateinischer Sprache dichtende Gelehrte Naldo Naldi, der den Mythos vom Goldenen Zeitalter für eine Lüge hielt.

Neben die Idealisierung der mythischen Vergangenheit tritt bei ihm die Hoffnung auf eine neue goldene Zeit. Unklar ist, welcher Künstler im späten Jahrhundert das erotische Gemälde Das Goldene Zeitalter schuf, das — vielleicht zu Unrecht — Agostino Carracci zugeschrieben wird und sich jetzt im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet.

Zu den Malern und Zeichnern, die im Jahrhundert greift Miguel de Cervantes das von Sannazaro und Tasso propagierte Konzept eines unbefangenen, angstfreien Umgangs der Geschlechter im Goldenen Zeitalter auf.

Secondo Lancellotti, der sich als Kritiker einer undifferenzierten humanistischen Antikebegeisterung profilierte, trat als Verfechter der Ansicht hervor, es habe abgesehen vom biblischen Paradies nie ein Goldenes Zeitalter gegeben, vielmehr handle es sich um Phantasien der Dichter.

Es bestehe ein völliger Mangel an Belegen für die Historizität. Der menschliche Geist neige generell zum Idealisieren der Vergangenheit. In Wirklichkeit sei die Kulturgeschichte eine Geschichte des Fortschritts und die Gegenwart der Vergangenheit überlegen.

Im mythischen Sturz Saturns sah er ein Gleichnis für das Aufkommen eines rebellischen Geistes und den Umsturz der bewährten Ordnung, wodurch unzählige Übel entstanden seien.

Der Geschichtsphilosoph Giambattista Vico setzte sich intensiv mit dem Zeitaltermythos auseinander. Er verwarf die traditionelle Aufeinanderfolge von vier Zeitaltern und unterschied nur zwei: Saturn repräsentiere das agrarische Heldentum.

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Das liegt daran, dass mit Absicht Strukturen zur Ausbeutung geschaffen wurden. Nur ändert das nichts an der Tatsache, das alle Zahlungen auch Bargeldlos geschehen können. Arat betont den Gegensatz zwischen dieser autarken, genügsamen und völlig friedlichen Lebensweise einerseits und Seefahrt und Handel, die erst später aufkamen, andererseits. Meinetwegen können das auch die Bürger direkt festlegen. Dort verkündet der Dichter den Anbruch einer neuen, mit der Geburt eines mysteriösen Knaben beginnenden Zeit, welche die bisherige eiserne Epoche ablöst. Der Vorteil für den Geldverleiher: Im übrigen ist die Forderung von Zins und nicht die nach Zinslosigkeit unsittlich. Die tägliche Arbeitszeit war zum Beispiel bei Bergwerksknappen in Freiburg auf sechs Stunden begrenzt. Vermutlich selbst für die kastrierten Superreichen dieses Systems einen absolut gesehen höheren Wohlstand als im unbeschränkten Kapitalismus, da der mittlere Lebensstandard aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft sehr viel höher wäre. Dabei verselbständigte sich das Schlaraffenlandmotiv.{/ITEM}

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